📅01.10.2026 🕛10 Minuten lesen
Brände gehören zu den größten Gefahren im betrieblichen Alltag – und entstehen häufig schneller, als man vermutet. Ein defektes Elektrogerät im Büro, brennbare Flüssigkeiten in der Werkstatt oder überhitztes Fett in der Betriebsküche reichen aus, um innerhalb weniger Sekunden eine gefährliche Situation auszulösen.
Umso wichtiger ist es, dass Beschäftigte wissen:
- welche Brandarten es gibt,
- welche Löschmittel geeignet sind – und
- wann ein Löschversuch sinnvoll ist – und wann nicht.
Dieser Artikel gibt einen kompakten, praxisnahen Überblick über die Brandklassen nach DIN EN 2, passende Feuerlöscher und das richtige Vorgehen bei Entstehungsbränden im Betrieb.
Denn gute Vorbereitung schützt Menschenleben und verhindert größere Schäden.
Was sind Brandklassen?
Nicht jeder Brand ist gleich. Je nach brennendem Stoff unterscheiden sich Brandverhalten und Löschmethode erheblich. Deshalb werden Brände nach DIN EN 2 in fünf Brandklassen eingeteilt: A, B, C, D und F.
Diese Einteilung ist entscheidend für die Auswahl des richtigen Löschmittels. Ein falscher Löschversuch – etwa mit Wasser bei Fett‑ oder Metallbränden – kann die Situation massiv verschärfen und zu Explosionen oder starker Brandausbreitung führen.
Kenntnisse über Brandklassen helfen Unternehmen dabei:
- Brandrisiken gezielt zu erkennen
- geeignete Feuerlöscher bereitzustellen
- Mitarbeitende sinnvoll zu schulen
- im Ernstfall richtig zu reagieren
Brandklasse A – Glutbildende feste Stoffe
Zur Brandklasse A zählen feste, überwiegend organische Stoffe, die unter Hitzeentwicklung glimmen und Glut bilden. Dazu gehören unter anderem:
- Holz, Papier, Karton
- Textilien
- Stroh
- Kohle
- bestimmte Kunststoffe
Diese Brände treten häufig in Lagern, Büros oder Produktionsbereichen auf – etwa bei Verpackungsmaterialien, Möbeln oder Dämmstoffen. Die Gefahr liegt oft in der unbemerkten Glutbildung.
Geeignete Löschmittel:
- Wasser (sehr effektiv durch Kühlwirkung)
- Schaum
- ABC‑Pulver (abhängig von Umgebung und Folgeschäden)
Brandklasse B – Brennbare Flüssigkeiten und schmelzende Feststoffe
Brandklasse‑B‑Brände entstehen durch flüssige oder flüssig werdende Stoffe, z. B.:
- Benzin, Diesel
- Öle, Fette (nicht Speisefette)
- Lacke, Lösemittel, Alkohol
- Paraffin, Wachs
- schmelzende Kunststoffe
Diese Brände entwickeln häufig intensive Flammen und breiten sich schnell aus. Wasser ist hier ungeeignet, da es brennende Flüssigkeiten verteilt.
Geeignete Löschmittel:
- Schaum (sehr wirkungsvoll durch Sauerstoffabschluss)
- CO₂ (vor allem in geschlossenen Räumen)
- ABC‑ oder BC‑Pulver (bei kleinen Entstehungsbränden)
Brandklasse C – Gasbrände
Zur Brandklasse C gehören brennbare Gase wie:
- Erdgas
- Propan, Butan
- Acetylen
- Wasserstoff
Diese Brände entstehen meist durch Leckagen und zünden explosionsartig. Typische Gefahrenquellen sind Gasleitungen, Kartuschen oder Heizsysteme.
Wichtig:
Ein Gasbrand lässt sich nur sicher bekämpfen, wenn zuerst die Gaszufuhr unterbrochen wird. Andernfalls wird das Feuer ständig neu genährt.
Geeignete Löschmittel:
- Pulverlöscher
- CO₂ (eingeschränkt, v. a. in geschlossenen Bereichen)
Brandklasse D – Metallbrände
Brandklasse D umfasst brennende Metalle wie:
- Magnesium
- Aluminium
- Lithium
- Kalium
Diese Brände treten z. B. bei Metallbearbeitung, Spänen, Batterielagern oder Akkus auf. Sie sind besonders gefährlich, da sie extrem hohe Temperaturen erreichen.
Achtung:
Wasser oder Standardlöschmittel können hier Explosionen auslösen.
Geeignete Löschmittel:
- spezielle Metallbrand‑Pulver (D‑Pulver)
- in Ausnahmefällen trockener Sand oder Spezialgranulate
Brandklasse F – Fettbrände in Küchen
Brandklasse‑F‑Brände entstehen durch überhitzte Speiseöle und ‑fette, z. B.:
- Fritteusen
- Pfannen
- Großküchen, Kantinen, Foodtrucks
Ab etwa 300 °C entzünden sich Fette selbst. Wasser führt hier zur Fettexplosion – ein extrem hohes Verletzungsrisiko.
Geeignete Löschmittel:
- spezielle Fettbrandlöscher (Löschmittelklasse F)
- Löschmittel auf Kaliumbasis, die eine erstickende Schicht bilden
Brandklassen & Löschmittel – warum das Wissen entscheidend ist
Die richtige Reaktion im Brandfall hängt direkt von der Brandklasse ab.
Ein falsches Löschmittel kann:
- das Feuer vergrößern
- Explosionen verursachen
- Menschen in Lebensgefahr bringen
Deshalb ist die passende Ausstattung ebenso wichtig wie die Schulung der Mitarbeitenden.
Richtig löschen im Ernstfall – das BET‑Prinzip
Für Entstehungsbrände im Betrieb gilt das bewährte BET‑Prinzip:
B – Beobachten
- Was brennt?
- Welche Brandklasse liegt vor?
- Wie stark ist Rauch und Flammenentwicklung?
- Sind Menschen in Gefahr?
Bei Unsicherheit: Rückzug antreten und Notruf 112 wählen.
E – Entscheiden
- Ist der Brand noch klein und beherrschbar?
- Ist der richtige Feuerlöscher vorhanden?
- Besteht keine Eigengefährdung?
Nur bei klarer Sicherheit darf ein Löschversuch erfolgen.
T – Tätig werden
- Feuerlöscher entsichern
- Windrichtung beachten (Rauch nicht einatmen)
- Stoßweise löschen
- Von unten bzw. am Brandherd ansetzen
- Nachlöschen und Rückzündung beobachten
Ist der Löscher leer und das Feuer nicht gelöscht: sofort zurückziehen.
Fazit: Brandschutz braucht Wissen, Training und Struktur
Brände können überall entstehen – im Büro, in der Werkstatt, im Lager oder in der Küche. Wer die Brandklassen kennt, weiß:
- welches Löschmittel geeignet ist
- wann ein Löschversuch sinnvoll ist
- und wann Selbstschutz vorgeht
Effektiver Brandschutz bedeutet:
- passende Feuerlöscher am richtigen Ort
- regelmäßige Unterweisungen
- klare Abläufe im Ernstfall
Denn ein Feuerlöscher allein verhindert keinen Brand – geschulte Menschen schon.