Arbeitssicherheit

Interne oder externe Fachkraft für Arbeitssicherheit?

Entscheidungshilfe für Unternehmen, die rechtssicher und wirtschaftlich handeln wollen

01.10.2026 10 Minuten lesen

Arbeitsschutz ist in Deutschland kein „Nice‑to‑have“, sondern Pflicht. Spätestens wenn der erste Mitarbeitende beschäftigt wird, müssen Unternehmen eine sicherheitstechnische Betreuung sicherstellen. Dabei stellt sich fast immer dieselbe Frage:

Brauchen wir eine interne Fachkraft für Arbeitssicherheit – oder ist eine externe Lösung die bessere Wahl?

Dieser Leitfaden zeigt praxisnah, welche Unterschiede es gibt, welche Kosten entstehen und welches Modell für welche Unternehmensgröße sinnvoll ist.

Fachkraft für Arbeitssicherheit – was steckt dahinter?

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (SiFa) unterstützt den Arbeitgeber bei allen Fragen des betrieblichen Arbeitsschutzes. Ihre Aufgabe ist es, Risiken zu erkennen, Unfälle zu vermeiden und sichere Arbeitsbedingungen mitzugestalten.

Die rechtliche Basis bilden unter anderem:

  • das Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)
  • das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
  • die DGUV Vorschrift 2

Wichtig dabei:
▪ Die SiFa berät – sie übernimmt keine Unternehmerverantwortung.
▪ Die Verantwortung für Sicherheit und Gesundheit bleibt immer bei der Unternehmensleitung.

Sicherheitsfachkraft in Warnweste im Hochregallager – interne oder externe Fachkraft für Arbeitssicherheit?

Ist eine Fachkraft für Arbeitssicherheit Pflicht?

Ja – ohne Ausnahme.

Sobald ein Unternehmen mindestens eine beschäftigte Person hat, ist eine sicherheitstechnische Betreuung gesetzlich vorgeschrieben (§5 ASiG, DGUV Vorschrift 2).

Diese Betreuung kann organisiert werden durch:

  1. eine interne Fachkraft für Arbeitssicherheit
  2. eine externe Fachkraft (Dienstleister)
  3. das Unternehmermodell (nur für sehr kleine Betriebe möglich)

Wie viel Betreuung ist erforderlich?

Der notwendige Zeitaufwand richtet sich nach:

  • Branche und Gefährdungsniveau
  • Anzahl der Beschäftigten
  • tatsächlichen betrieblichen Risiken

Orientierungswerte für die Grundbetreuung pro Mitarbeiter und Jahr:

Branche / Tätigkeit

Zeitaufwand

Büro / Verwaltung

ca. 0,5 Stunden

Produktion / Technik

ca. 1,5 Stunden

Baugewerbe

ca. 2,5 Stunden

Zusätzlich kommt die anlassbezogene Betreuung, z. B. bei:

  • neuen Maschinen
  • Arbeitsunfällen
  • Umstrukturierungen
  • Behörden- oder Zertifizierungsaudits

Aufgaben einer Fachkraft für Arbeitssicherheit

Zu den zentralen Tätigkeiten gehören unter anderem:

  • Durchführung und Fortschreibung von Gefährdungsbeurteilungen
  • Analyse von Arbeitsunfällen und Beinaheereignissen
  • Beratung der Geschäftsführung zu Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Mitwirkung bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen
  • Auswahl und Beurteilung von Arbeitsmitteln
  • Schulungen und Unterweisungen von Beschäftigten
  • Dokumentation für Behörden, Berufsgenossenschaften und Audits
  • Begleitung von Prüfungen und Kontrollen

 

Interne oder externe SiFa – wo liegen die Unterschiede?

Die gesetzlichen Aufgaben sind identisch. Unterschiede ergeben sich vor allem in der Organisation.

Aspekt

Interne SiFa

Externe SiFa

Vertragsform

Arbeitsverhältnis

Dienstleistungsvertrag

Kosten

hoch

gut kalkulierbar

Flexibilität

gering

hoch

Erfahrung

meist betriebsspezifisch

branchenübergreifend

Aktualität von Normen

abhängig von Fortbildung

meist sehr hoch

Interne Fachkräfte kennen intern die Abläufe sehr gut.
Externe Fachkräfte bringen dafür oft Erfahrungen aus vielen Branchen und Betrieben mit.

Haftung: Wer trägt die Verantwortung bei Unfällen?

Ein weitverbreiteter Irrtum:
❌ „Die Fachkraft für Arbeitssicherheit haftet.“

✅ Fakt ist:
Die Haftung liegt immer beim Arbeitgeber bzw. der Geschäftsführung.

Fehlt die gesetzlich vorgeschriebene Betreuung, drohen unter anderem:

  • Bußgelder
  • Regressforderungen der Berufsgenossenschaft
  • strafrechtliche Konsequenzen bei schweren Unfällen
  • persönliche Haftung der Unternehmensleitung

Eine SiFa senkt diese Risiken vor allem durch strukturierte Prävention und saubere Dokumentation.

Kostenvergleich: interne vs. externe Fachkraft

Interne Fachkraft für Arbeitssicherheit

Typische Kostenbestandteile:

  • Gehalt
  • Aus- und Weiterbildung
  • Arbeitszeitanteile
  • Vertretung bei Krankheit oder Urlaub
  • Verwaltungsaufwand

Grobe Größenordnung:

  • 65.000 – 85.000 € pro Jahr (zzgl. Weiterbildung)

Für kleine und mittlere Unternehmen ist das häufig wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Externe Fachkraft für Arbeitssicherheit

Die Kosten richten sich nach:

  • Mitarbeiterzahl
  • Branche
  • Gefährdungsklasse

Typische Jahreskosten:

  • 1–10 Mitarbeitende: ca. 500 – 1.200 €
  • 10–50 Mitarbeitende: ca. 1.200 – 3.500 €
  • 50–250 Mitarbeitende: ca. 3.000 – 12.000 €

Vorteil:
✔ planbar
✔ keine Personalkosten
✔ sofort einsatzbereit

Kündigung & Flexibilität – ein oft unterschätzter Faktor

Interne Fachkraft

Interne SiFa genießen einen besonderen Kündigungsschutz, um ihre Unabhängigkeit zu sichern.
Das bedeutet für Unternehmen:

  • eingeschränkte Kündigungsmöglichkeiten
  • langfristige Bindung
  • hohe personelle Fixkosten

Externe Fachkraft

  • Kündigung gemäß Vertrag (oft 1–3 Monate)
  • einfacher Anbieterwechsel möglich
  • hohe Anpassungsfähigkeit

Gerade für KMU ist dieser Punkt strategisch entscheidend.

Wie schnell ist eine externe SiFa verfügbar?

In der Praxis starten externe Fachkräfte oft:

  • innerhalb weniger Tage
  • spätestens innerhalb von 1–2 Wochen

Das ist besonders relevant bei:

  • Neugründungen
  • kurzfristigen Behördenprüfungen
  • fehlender oder überfälliger Betreuung

Welches Modell passt zu welchem Unternehmen?

Kleine Unternehmen (1–50 Mitarbeitende)

➡ Externe Fachkraft

  • wirtschaftlich
  • wenig Organisationsaufwand
  • schnelle Rechtssicherheit

Mittelständische Unternehmen (50–250 Mitarbeitende)

➡ Kombinationsmodell

  • interne Ansprechpartner (z. B. Sicherheitsbeauftragte)
  • externe Fachkraft für Systematik & Rechtssicherheit

Industrie & Bau

➡ Interne oder hybride Lösung

  • hohe Gefährdungen
  • komplexe Prozesse
  • hohe Präsenz erforderlich

 

Fazit

Die Frage „intern oder extern?“ lässt sich nicht pauschal beantworten – sie hängt von Größe, Gefährdung und Organisation ab.

Externe Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind besonders sinnvoll für:

  • kleine und mittlere Unternehmen
  • Betriebe ohne eigene Arbeitsschutzabteilung
  • Unternehmen mit wechselnden Anforderungen

Interne Fachkräfte lohnen sich vor allem bei:

  • großen Organisationen
  • hoher Gefährdung
  • dauerhaftem Betreuungsbedarf

In vielen Fällen ist ein Hybridmodell die beste Lösung:
interne Nähe kombiniert mit externer Expertise.

Quellen

Bundesministerium für Arbeit und Soziales
https://www.bmas.de

Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)
https://www.gesetze-im-internet.de/asig/

DGUV Vorschrift 2
https://www.dguv.de

BAuA – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
https://www.baua.de

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